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von Jana Bretschneider, aus dem Magazin Nummer 4.
Im gleichmäßigen Rhythmus bewegen sich die fädigen Rückenflossen des Feuerfisches elegant hin und her. Diese nahezu hypnotische Art der Fortbewegung zieht seine Betrachter in den Bann und lässt seine gefährliche Seite auf den ersten Blick kaum erahnen.
Der giftige Raubfisch weiß genau, wie er sein Gegenüber für sich einnimmt. Viele Aquarianer fürchten seinen bissigen Charakter, doch bei artgerechter Beckengestaltung, passender Vergesellschaftung und angemessener Ernährung lässt sich damit gut umgehen. Der Lohn: ein anmutiger Schwebeschwimmer mit ausgeprägtem Appetit.
Wer den Feuerfisch (lat. Pteroinae) in seinem natürlichen Lebensraum sucht, findet über 20 verschiedene Arten mit unterschiedlichsten Färbungen und Größen – vor allem im Indopazifik und im Roten Meer. Kennzeichnend für diese Untergruppe der Skorpionfische sind die weit ausgespreizten Brustflossen, die sich wie die Schleppe eines Pfaus zur Seite fächern. Ihren Rücken zieren fadenartige, aufgerichtete Flossenstrahlen. Je nach Art erreichen die quergestreiften Tiere eine Größe von 15 bis 40 cm.

Die ansonsten ruhige und langsame Schwimmweise kann sich bei der Jagd blitzartig beschleunigen. Dabei zeigen die karnivoren Meeresbewohner ein erstaunlich kooperatives Verhalten: Mit kurzen Flossensignalen fordern sie Artgenossen zum gemeinsamen Beutezug auf. So bilden sich kleine Gruppen, obwohl Feuerfische überwiegend Einzelgänger sind.

Ihre auffällige Musterung und die tänzerischen Bewegungen lenken die Beute von der Gefahr ab. Einige Arten sind sogar in der Lage, einen Wasserstrahl auf ihr Opfer zu richten, um es zu verwirren. Anschließend erfolgt der Fang in Sekundenbruchteilen – mit einem kräftigen Saugschnappen wird die Beute in das große Maul gezogen.
In jüngerer Zeit wurden Feuerfische durch ihr invasives Auftreten an der Ostküste Amerikas und in der Karibik bekannt. Unzureichend informierte Aquarienbesitzer setzten importierte Tiere in die freie Natur aus. Ohne natürliche Feinde konnten sie sich dort rasant vermehren und stellen inzwischen eine ernsthafte Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht dar.
Taucher fangen sie heute gezielt, und in vielen Regionen stehen sie sogar auf Speisekarten. Um solche Entwicklungen zu vermeiden, sollten sich potenzielle Halter nicht nur von der Schönheit der Tiere beeindrucken lassen, sondern sich umfassend über deren Haltung informieren.
Besonders relevant ist das Gift in den 18 Flossenstrahlen: Es besteht aus Wasser, Proteinen, Salzen und Acetylcholin. Beim Menschen verursacht es vor allem starke Schmerzen und Schwellungen, in seltenen Fällen auch Herzrasen oder Ohnmacht. Bei sorgfältiger Handhabung besteht jedoch kein Risiko bei der Fütterung.
Bei Arbeiten im Aquarium sollte stets auf die Position des Fisches geachtet werden, um einen Kontakt mit den Rückenstacheln zu vermeiden. Der Feuerfisch nutzt sein Gift ausschließlich zur Verteidigung. Sollte es dennoch zu einem Stich kommen, hilft es, die betroffene Stelle in heißes Wasser zu halten, bis der Schmerz nachlässt. Bei stärkeren Symptomen ist umgehend medizinische Hilfe erforderlich.
Lange Zeit bewunderte ich diese anmutigen Tiere aus der Ferne, bis ich mich schließlich für einen Zebra-Zwergfeuerfisch (Dendrochirus zebra) für unsere Korallenfarm „Das Vorstadtriff“ in Cottbus entschied. Besonders faszinieren mich die rot-weiße Färbung mit dunkelroten Streifen sowie die schmetterlingsartigen Brustflossen, die im Verhältnis zum etwa 20 cm großen Körper überproportional wirken.

Aller Anfang ist schwer – auch für einen Feuerfisch. Es dauert etwa ein bis zwei Monate, bis er futterfest ist. In dieser Zeit akzeptierte mein Tier ausschließlich Lebendfutter wie kleine Fische und Garnelen. Schrittweise gelang die Umstellung: Mithilfe einer Futterzange bewegte ich Frostgarnelen wie Beute durch das Becken. Anfangs skeptisch, nahm er diese schließlich bereitwillig an.
Sein Motto lautet eindeutig: Hunger, Hunger, Hunger. Neben Garnelen stehen heute auch Muschelfleisch und Stinte auf dem Speiseplan.
Auch die Eingewöhnung mit den anderen Beckenbewohnern erforderte Geduld. Zu Beginn attackierte ein Kugelfisch den Neuzugang und beschädigte dessen Flossen. Als die Aggressionen zunahmen, zeigte der Zwergfeuerfisch schließlich Gegenwehr. Am nächsten Morgen fand ich auch den Kugelfisch verletzt vor. Seitdem halten beide respektvollen Abstand – ein friedliches Nebeneinander hat sich eingestellt.
Ist der Feuerfisch erst einmal eingewöhnt, zeigt er sich als relativ pflegeleicht. Er ist nachtaktiv und verändert seine Färbung: Während der Jagd leuchtet er intensiv, ansonsten ruht er oft blasser in Felsspalten – gelegentlich sogar kopfüber. Entsprechend sollte das Aquarium ausreichend Struktur und Versteckmöglichkeiten bieten.
Für einen ausgewachsenen Zwergfeuerfisch empfiehlt sich ein Beckenvolumen von etwa 500 bis 800 Litern, größere Arten benötigen bis zu 1.500 Liter.
Vorsicht ist lediglich beim Fressen geboten: Der gierige Räuber kann entweder zu viel Nahrung aufnehmen (Verfettung) oder seine Beute überschätzen. Im schlimmsten Fall verschluckt er sich an zu großen Tieren. Eine Fütterung im Zwei-Tage-Rhythmus wirkt dem entgegen.

Grundsätzlich lassen sich Feuerfische gut mit größeren Fischen vergesellschaften. Kleinere Arten könnten als Beute enden. Zudem empfiehlt es sich, entweder ein harmonierendes Paar zu halten oder nur ein einzelnes Tier, da sich zwei Männchen nicht vertragen.
Nach etwa einem Jahr ist mein Feuerfisch erstaunlich zutraulich geworden. Pünktlich zur Fütterung schwimmt er unruhig an der Wasseroberfläche auf und ab und folgt meiner Hand neugierig durch das Becken.
Wer kennt nicht das Klischee vom gefährlichen Charakter, der nur darauf wartet, seine sanfte Seite zu zeigen? Beim Feuerfisch scheint genau das Realität zu werden: Aus einem wehrhaften Einzelgänger wird ein faszinierender und beinahe zutraulicher Begleiter im Aquarium.
Text und Bilder: Jana Bretschneider
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