
Wer nicht auf ein Sonnenbad verzichten möchte, sollte sich jedoch vor der schädlichen UV-Strahlung schützen und möglichst sorgsam Sonnencreme auf seine Haut auftragen. Die Intensität der UV-Strahlung hat in den letzten 30 Jahren um ca. 10 % zugenommen, sodass zunehmend schädliche UVB-Strahlen die Erdoberfläche erreichen. Gründe dafür sind Veränderungen in der Ozonschicht sowie die Abnahme von Aerosolen und somit von Wolken durch weniger Feinstaub in der Atmosphäre. Dies sei hier aber nur am Rande erwähnt.
Der Schutz der Haut vor Sonnenstrahlung hat jedoch auch seine Tücken.
Ein nicht unerheblicher Teil der angebotenen Hautschutzmittel enthält leider immer noch bedenkliche, organisch-chemische UV-Filter wie Oxybenzon und Octocrylen. Octocrylen baut sich mit der Zeit – besonders bei längerer Lagerung – zu dem potenziell krebserregenden Benzophenon ab.
Zudem werden andere chemische UV-Filter verwendet, deren Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt aber noch nicht ausreichend erforscht sind. Eine der neueren Substanzen ist Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate (DHHB). DHHB kann jedoch den Weichmacher Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP) enthalten, der wegen seiner hormonschädlichen Eigenschaften von der EU als besonders besorgniserregender Stoff gelistet wurde.
Diese Erläuterungen vorab, denn sie sind wichtig für das Verständnis der Zusammenhänge zu einem Thema, das in der Öffentlichkeit leider nicht ausreichend bekannt gemacht wird.
Gefahren, die von Sonnenschutzmitteln für den menschlichen Organismus ausgehen können, sind gelegentlich ein Thema in den Medien. Umweltschäden, die diese Kosmetika verursachen, werden dagegen leider gar nicht oder nur am Rande erwähnt. Organisch-chemische UV-Schutz-Bestandteile sind noch in vielen Sonnencremes enthalten und stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar. Beim Baden gelangen diese Sonnenschutzmittel mit einem frisch eingecremten Körper in die Gewässer, wo sie dann erhebliche Verluste verursachen können.

Dieses Problem ist schon seit geraumer Zeit bekannt und wurde bereits 2008 von Wissenschaftlern der Universität Ancona veröffentlicht. Damals wurde es jedoch vom IKW – Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. – schriftlich öffentlich mit der Begründung abgetan, dass „… diese Befunde und Messergebnisse aus Laboruntersuchungen stammen und kein Beleg für eine tatsächliche Schädigung der aquatischen Umwelt darstellen. So ist es mehr als fraglich, ob die Korallen in natürlichen Riffen ähnlich hohen Konzentrationen von Sonnenmilch ausgesetzt sind wie in den Versuchsanordnungen der Forscher.“ Der IKW macht nur den Klimawandel und die Fischerei für die Schäden an den Korallenriffen verantwortlich. Seit dieser Zeit wurden jedoch vermehrt Konzentrationen im Bereich von einigen Nanogramm (ng/L) bis hin zu mehreren Mikrogramm (µg/L), sogar Milligramm (mg/L) pro Liter Meerwasser gemessen (abhängig vom Badebetrieb).
Dabei wurden zudem verstärkt erhebliche Schäden, besonders bei küstennahen Korallenriffen, nachgewiesen. So wurden auf Hawaii und in der Karibik Konzentrationen von Oxybenzon von bis zu 1,4 Milligramm pro Liter (mg/l oder ppm) gemessen. Diese organisch-chemischen UV-Filter stören die Symbiose zwischen Zooxanthellen (einzelligen Algen, die die Koralle durch Fotosynthese mit Nährstoffen versorgen) und Korallen. Das führt zu einer Form der Korallenbleiche. Bereits vor 2010 ergaben Tests in Mexiko, Indonesien, Thailand und Ägypten, dass nach 18 bis 48 Stunden Kontakt mit geringen Mengen Octocrylen (10 Mikroliter pro Liter Meerwasser) erhebliche Mengen Zooxanthellen abgestoßen wurden und nach 96 Stunden die Korallenbleiche vollständig ausgeprägt war.
Als bis dahin unbekanntes Phänomen wurde außerdem festgestellt, dass sich im umgebenden Meerwasser eine bis zu 15-mal höhere Konzentration von Viren bildetee Viren ebenfalls abstoßen. Dies kann zu latenten Virusinfektionen führen, die durch die Verwendung dieser Sonnencremes gefördert werden.
Spätere Untersuchungen haben zudem ergeben, dass nicht nur Korallen, sondern auch Zooxanthellen tragende Anemonen durch Oxybenzon und Octocrylen in gleicher Weise geschädigt werden können. Für Octocrylen, das noch in vielen Sonnencremes enthalten ist, ist bekannt, dass es sich unter UV-Einstrahlung in Benzophenon abbauen kann, wodurch sich die toxische Wirkung verstärkt.(1)
Studien gehen davon aus, dass jährlich ca. 14.000 Tonnen Sonnenschutzmittel in die Meere gelangen. Andere Quellen geben einen Eintrag von 20.000 Tonnen allein ins nördliche Mittelmeer an.
In den Gewässern schädigen die organisch-chemischen Inhaltsstoffe der Sonnencremes nicht nur Korallen und Anemonen, sondern auch andere Lebewesen der Meeresfauna. Insbesondere bei Tieren im Larvenstadium (selbst bei Fischen und Krustentieren) können diese Substanzen DNA-Schäden verursachen, die das Wachstum und die Fähigkeit zur Fortpflanzung negativ beeinflussen.
Aber auch andere Bestandteile können das Absterben von Korallenriffen verursachen. Dazu gehört Mikroplastik, das als Bindemittel, Füllmittel und Filmbildner eingesetzt wird und ausgewachsene Korallen besonders stark schädigen oder gar töten kann.(2)

In einigen Regionen sind Sonnencremes mit diesen organisch-chemischen Inhaltsstoffen bereits verboten.
Dazu gehören: Hawaii, Palau, die Nationalparks von Thailand, die Amerikanischen Jungferninseln, Bonaire, Aruba, einige Regionen in Mexiko und Key West in Florida.(3)
Auch in deutschen Gewässern, einschließlich der Binnenseen, wurden kritisch hohe Werte bei der Konzentration von Octocrylen nachgewiesen. Diese sind auf Badeurlauber, aber auch auf Einträge durch die Flüsse zurückzuführen.
Bei all diesen Problemen ist andererseits die globale Erwärmung nicht zu vernachlässigen, denn Untersuchungen ergaben, dass erhöhte Temperaturen die toxische Wirkung der oben angeführten Substanzen erheblich verstärken.
Als Alternative zum chemischen UV-Schutz wird der mineralische UV-Schutz empfohlen. Dabei wird stets die Unbedenklichkeit des mineralischen Sonnenschutzes betont, sofern die Filter keine Nanopartikel (Teilchen zwischen 1 und 100 Nanometern) enthalten. Im Gegensatz zu den organisch-chemischen Substanzen, die die UV-Strahlung in Wärme umwandeln, wird mit den mineralischen Filtern ein „Schutzschild” auf die Haut aufgetragen, der die UV-Strahlung reflektiert und zerstreut. Diese Filter bestehen in der Regel aus Titan- oder Zinkoxid. Titandioxid ist jedoch in der Lebensmittelindustrie umstritten.(4)
Unschädlich ist hingegen Kleidung, die vor UV-Strahlung schützt.
Jeder Einzelne kann durch sein Verhalten zum Schutz der Umwelt und in diesem besonderen Fall der Korallenriffe und anderer Meereslebewesen beitragen. Wichtig ist, die Labels der jeweiligen Sonnenschutzmittel genau auf schädliche Inhaltsstoffe zu prüfen.(5)
Das Mittel sollte zudem mindestens 20 bis 30 Minuten vor dem Baden aufgetragen werden, damit es gut einziehen kann. Wichtig zu wissen ist aber auch, dass häufiges Eincremen nur bedingt hilft. Denn selbst wer entsprechend seinem Hauttyp einen bestimmten Sonnenschutzfaktor wählt, kann sich dennoch nicht unbegrenzt der Sonne aussetzen. Wenn die tolerierbare Tagesdosis an UV-Strahlen erreicht ist, sollte das Sonnenbad unbedingt beendet werden.
Die Kosmetikindustrie ist in der Verantwortung, schadstofffreie Produkte zu angemessenen Preisen anzubieten. Verbraucher sollten dies mit dem Kauf der richtigen Sonnenschutzmittel beeinflussen.
Zum Abschluss noch eine Bemerkung. Das hier vorgetragene Problem ist zumindest Verantwortlichen hinreichend bekannt, wird aber viel zu wenig publiziert.
Die schädlichen Wirkungen der chemischen Sonnenschutzmittel auf den menschlichen Körper werden zwar ab und zu in den Medien thematisiert, aber die Schäden für die Umwelt erhalten dabei leider nicht die dringend nötige Aufmerksamkeit – und wer sucht schon freiwillig nach Problemen
Thomas Leithold, S&L Naturverlag, 20.03.2026
Quellen über Google:
(1) Vgl. (EU geförderte Studie 6. Rahmenprogramm (RP6), finanziert von den Projekten CORALZOO(„The development of an SME-friendly Euopeanbreeding programme for hard corals“) und REEFRES(„Developing ubiquitous restoration practices for Indo-Pacific reefs“) 8/2009)
(2) vgl. Good News Magazin, Sarah Hangauer /20.08.2921/ Klima
(3) vgl. Deutsche Stiftung Meeresschutz (https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/meeresverschmutzung/was-ist-korallenfreundlicher-sonnenschutz/)
(4) Die EFSA–Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat ihre Sicherheitsbewertung des Lebensmittelzusatzstoffs Titandioxid (E 171) auf Antrag der Europäischen Kommission im März 2020 aktualisiert.
(5) mgl. Hilfe:ToxFoxApp, kostenfrei, empf. v. BUND
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