Magazin: „Alcyonium verseveldti“ eine blaue Weichkoralle

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Alcyonium verseveldti unter T5 Röhren im 450 Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Warum eine Koralle in Aquarien eine Rarität ist oder sein kann, dafür kann es drei wesentliche Gründe geben.Die Koralle ist erst seit kurzer Zeit bekannt oder selten im Handel und demnach noch wenig verbreitet. Die Koralle kommt aus Australien, oder ist neu eingeführt und dementsprechend teuer. Die Koralle ist sehr heikel und wird deshalb nur von wenigen Spezialisten gepflegt.

Alcyonium verseveldti“ eine blaue Weichkoralle

Warum eine Koralle in Aquarien eine Rarität ist oder sein kann, dafür kann es drei wesentliche Gründe geben.Die Koralle ist erst seit kurzer Zeit bekannt oder selten im Handel und demnach noch wenig verbreitet. Die Koralle kommt aus Australien, oder ist neu eingeführt und dementsprechend teuer. Die Koralle ist sehr heikel und wird deshalb nur von wenigen Spezialisten gepflegt.

Durchaus Gemeinsamkeiten könnten die aktuellen Modetrends und die Meerwasseraquaristik auch haben. Einige Fische und Korallen die vor einigen Jahren noch heiß begehrt waren, sind nicht mehr so gefragt und werden zu Ladenhütern. Sie sind so wenig gefragt wie der Trend vom letzten oder vorletztem Jahr. Nachzuchten von diesen Korallen, sowohl Leder-als auch Steinkorallen und hier insbesondere einige Montipora Spezies lassen sich nicht mehr oder nur sehr schlecht absetzen, weil der „Trend“ eben ein anderer ist. Wer dagegen ausgefallen gefärbte oder gar selten eingeführte Korallen vermehrt, braucht sich um den Absatz seiner Nachzuchten keine Gedanken zu machen. Jedoch,es könnte in nicht allzu ferner Zukunft auch dieser Trend gezwungenermaßen wieder ins Gegenteil umschlagen.

Das Angebot von Korallen im Allgemeinen, im Fachhandel und auch privater Anbieter, ist mittlerweile sehr umfangreich. Dem Meerwasseraquarianer und hier ins besonderem dem Einsteiger in dieses Hobby fällt die Entscheidung, wie er sein Aquarium bestücken soll, oftmals recht schwer, besonders dann, wenn er mit einer Korallenart noch keine Erfahrung gesammelt hat. Er soll und muss Erfahrungen sammeln, was Licht-, Strömungsbedarf , Vergesellschaftung mit anderen Spezies und Standort betrifft.

Es gibt genügend Korallenliebhaber, die das „seltene begehren“, wie dies auch bei Fischliebhabern bekannt ist und manchmal zähle ich mich auch zu dieser Spezies. Sie scheuen oftmals keinen Preis, um das nicht Alltägliche zu bekommen. Aber dazu zähle ich mich nicht ! Und das weiß natürlich auch der Handel, der immer wieder auf der Suche nach „ Neuem“ ist. Aber stimmt diese Aussage so mit der Suche nach neuem? So erzählte mir schon Anfang der 90 er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein leider viel zu früh verstorbener Meerwasseraquarianer aus meinem Bekanntenkreis, der des öfteren in Ostasien und hier insbesondere in Indonesien längere Zeit Urlaub gemacht und auch dort Exportstationen besucht hatte, dass es in den Riffgebieten dieses Inselreiches sehr viel mehr, für uns Aquarianer unbekannte aber sicherlich haltbare Korallen oder andere Wirbellose auch Fische gäbe, als exportiert werde.

Sinngemäß sagte er einmal: „ Der Handel und hier insbesondere die Exporteure halten immer einige Tierarten zurück, um sie in späteren Zeiten z.B. auf einschlägigen Messen, als etwas „neuem“ anzubieten. Ich habe in den Exportstationen Tiere gesehen, die noch nie bei uns im Handel aufgetaucht sind. Es ist wie die Mode. Der Markt lebt davon immer wieder mal etwas seltenes, Neues anbieten zu müssen um keine Stagnation aufkommen zu lassen.“ Soweit seine Aussage.

Wenn ich heute rückblickend so darüber nachdenke was in den letzten Jahren so alles „ neu“ eingeführt wurde, dann könnte er mit seiner Aussage vollkommen recht gehabt haben. Nur vier Beispiele der letzten Jahre: immer wieder neue Acropora sp., Leptastrea sp. ,die bunten Ultra- Zoanthus, die extrem farbigen Acanthastrea aus der Familie der Mussidae. Diese Korallen gab es sicherlich doch auch schon in den 90ziger Jahren, wurden aber so gut wie nie eingeführt. Als Gegenargument kann man sicherlich auch andere Gründe aufführen wie Artenschutz, nicht ausgereifte Hälterungsbedingungen, Transportprobleme insbesondere bei der Fam. der Xeniiden. Aber auch Gründe wie die großen Entfernungen bis nach Europa und die Schutzbestimmungen der australischen Regierung erlaubten allerdings auch nur eine begrenzte Ausfuhr von Meerestieren aus diesem Gebiet. Ein weiterer Grund könnte der riesige Markt in den USA und Japan sein, der bevorzugt mit „ Neuigkeiten“ beliefert wird oder wurde. Als Beispiel dienen hier die bunten Acanthastreas, Montiporas. Rhodactis sp. und Zoanthus die in genannten Märkten schon sehr lange zu horrenden Preisen verkauft wurden bevor diese in Europa angeboten wurden.

Archivbild

Aufnahme in einem Händlerbecken (Archivaufnahme)

Über die farbenprächtigen Wirbellosen Tiere, die den Meerwasseraquarianer zunehmend faszinieren, haben wir in den letzten Jahrzehnten durch Berichte in Zeitschriften, Bücher und das Internet viel Neues erfahren. Und dennoch ist unser Wissen auf diesem Gebiet noch unvollständig. Viele systematische Fragen bedürfen einer Antwort. So bereitet nicht nur die Bestimmung einzelner Arten Probleme, sondern auch Ihre Einordnung in die jeweiligen Gattungen. Alles oder vieles ist nach neuesten DNA Untersuchungen in Frage gestellt.Dass die wissenschaftliche Systematik mittlerweile durch moderne DNA-Analysen radikalen Veränderungen unterworfen ist, was sich auch auf aquariengehaltene Meerestiere auswirken wird, ist folgerichtig. Mittlerweile weiß man auch, das da eine "gewaltige Umbenennung" für einige Korallenspezies vorgesehen ist und für manche Überraschung sorgen wird. Doch das hat nichts mit der bei manchen Aquarianern üblichen " Ver-Umgangssprachlichung " wissenschaftlicher Terminologie zu tun. Uns begegnen im " aquaristischen Sprachenschatz" immer wieder Fantasie Namen wie Montipora superman, Acropora tricolor, Clavularia tricolor, Zoa spidermann, Rhodactis bounce usw. um nur einige zu nennen. Schon seit geraumer Zeit kreisen diese Handelsnamen durchs Internet und sogar im "aquaristischen Fachhandel und man erntet immer ungläubige Blicke, wenn man sagt, so eine Art gibt es nicht. Für uns Hobbyaquarianer ist leider eine Bestimmung der Korallen alles andere als einfach.

diverse Acropora sp. Foto: Paul-Gerhard Rohleder

Daher muss oft die Bezeichnung sp. oder einfach der bekannte Handelsnamen herhalten. Systematische Fragen wirft auch eine andere Koralle auf, die auch unter dem Handelsnamen "Sympodium blau" bekannt ist /war. Diese wurde jedoch im Jahre 1982 zunächst in Metalcyonium verseveldti später in Alcyonium verseveldti umbenannt. Diese seit geraumer Zeit angebotene farbintensive Weichkoralle wird im Zoofachhandel immer noch relativ selten mit wenigen cm² Größe angeboten, da sie nur von einigen wenigen Firmen hin und wieder exportiert werden.

Auf den ersten Blick erscheint diese Koralle wie eine besonders schöne kleine Gladiella Weichkoralle. Doch der Schein trügt, denn es soll eine Alcyonium, eine Weichkorallenart Art sein, die von Bali stammt und auch von Indonesien her bekannt ist. Bei Berührung schließt sie sich schnell und lässt dann Teile ihres Coenenchyms, der Körpermasse sichtbar werden. Der Körperbau und Struktur ähnelt für den Laien in verblüffender Weise dem von Gladiella Weichkorallen, jedoch sind die einzelnen Kolonien erheblich kleiner, oftmals nur wenige Quadratzentimeter groß.

die Kolonie im 450 Liter Becken geschlossen. Foto: Paul-Gerhard Rohleder

Die einzelnen Kolonien sind buschig, stehen oftmals sehr dicht nebeneinander und ergeben so das Bild einer größeren Kolonie. Die Einzelpolypen sind sehr kurz und die typischen acht gefiederten Tentakel sind im Durchmesser etwa nur 3-4 mm und bedecken die oftmals bläulich-weiße Leibesmasse mit einem dichten Teppich. Äußerlich sind sie kaum von der kleinpolypigen blauen Xenia Sarcothelia edmondsoni zu unterscheiden. Erst wenn man eine Kolonie mit den Fingern leicht berührt, erkennt man den Unterschied. Diese "blaue" Alcyonium verseveldti Weichkoralle hat ein sogenanntes Coenenchym, Sarcothelia edmondsoni dagegen eine röhrenförmige Basalschicht gehört aber auch zur Familie der Xeniidae. Das Coenenchym ist eines der typischen Merkmale der Ordnung Alcyonacea, zu der auch die Weichkorallen der Familie Xeniidae gehört. Es kann sowohl pilzförmig, baumförmig verästelt oder auch als dünne Kruste das Korallengestein überziehen. Fehlt also das Coenenchym, oder ist es durch ein Stolonengeflecht ersetzt, darf man davon ausgehen, das es sich nicht um eine Weichkoralle handelt.

Kolonie Sarcothelia edmondsoni. Foto: Paul-Gerhard Rohleder

Da die von mit im Zoofachhandel erworbene Alcyonium verseveldti mit mehreren Kolonien doch recht groß war, entschied ich mich sie zu teilen um sie an verschiedenen Standorten anzusiedeln. Für die Pflege der ersten Kolonien hatte ich mir mein 300 Liter fassende Riffbecken in dem ich verschieden gefärbte Zoanthus Krustenanemonen und diverse andere Korallen pflege, ausgesucht. Ursprünglich war dieses 300 Liter Becken nur für einige sogenannte Sekundärbesiedler des Korallenriffes vorgesehen überwiegend bunte Zoanthus und Scheibenanemonen. Sekundärbesiedler sind sessile, also festsitzende, Organismen, die sich dort festsetzen, wo die ursprünglichen Besiedler abgestorben sind. Was auch immer die Ursache dafür gewesen sein mag. Dabei galt ursprünglich das Hauptinteresse den bunten Zoanthus Arten. Dann jedoch dann kamen noch verschiedene Caulastrea Arten, Goniopora sp, Alveopora tizardi und gigas, Acanthastrea, Leptastrea sp. und einige Blastomussa sp. hinzu. Doch anders als bei derzeit vielen Steinkorallen Enthusiasten sollte hier keineswegs das "Ausschließlichkeitsprivileg“ diesen Korallen zugestanden werden und so wurde der Versuch gewagt auch noch eine Kolonie der blauen Weichkoralle Alcyonium verseveldti mit zu vergesellschaften. Letztlich entschied ich mich doch die abgetrennten Kolonien auch auf mein 160Liter Riffbecken und 450 Liter Riffbecken ( letzteres hat eine Standzeit von über 30 Jahren ) zu verteilen.

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Schon wenige Stunden später, jedoch nach vorheriger Levamisol Behandlung der Kolonien als Vorbeugung gegen Strudelwürmer und vorsichtigen Umgewöhnen mittels Tröpfchenmethode, öffneten sich die achttentakeligen Polypen. Da die drei erworbenen Kolonien vorerst an unterschiedlichen Standorten in den drei Riffbecken platziert wurden, konnte ich einige Wochen später interessante Farbvariationen bei den Polypen feststellen:

Eine Kolonie in dem 300 Liter Becken in einer Wassertiefe von ca. 20 cm unter vier T5 Röhren a´39 Watt (zwei Röhren Reefwhite 15000 K und zwei blaue der Fa. Aqua medic ) erstrahlte in einem braun-blau-grünlichen Farbton unter nachfolgenden durchschnittlichen Wasserwerten gemessen über mehrere Wochen:

Alkalinität: 6 – 8 dH, Ca: 400 - 420 mg/l, NO3: 0 – 1 mg/l, PO4: 0,03 – 0,09 mg/l

Alcyonium verseveldti im 300 Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Die Kolonie in meinem 450 Liter Becken welche auf dem Bodengrund in ca. 45 cm Wassertiefe platziert wurde erschien in einem schönen hell bläulichen Farbton welcher mir besonders zusagte. Dieses Becken wird mit fünf T5 Röhren a´54 Watt ( drei Röhren Reefwhite 15000K und zwei blaue der Fa. Aqua medic) beleuchtet.

Alkalinität: 5,5 – 8 dH, Ca: 390 - 420 mg/l, NO3: 0 mg/l, PO4: 0,04 – 0,07 mg/l

Alcyonium verseveldti unter T5 Röhren im 450 Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Wohin gegen die Kolonie in dem 160 Liter fassenden Becken in Bodennähe in ca. 35 cm Wassertiefe mehr grau-bläuliche Farben zeigte. ( Foto) Dieses Becken wird mit einer ATI Sunpower 4 x 39 Watt T5 ( zwei Röhren Reefwhite 15000 K und zwei blaue der Fa. Aqua medic ).

Alkalinität: 6 – 8,5 dH, Ca: 410 - 440 mg/l, NO3: 0 – 1 mg/l, PO4: 0,05 – 0,08 mg/l ( ohne PO4 Absorber)

Kolonie im 160 Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Das äußere Erscheinungsbild, die Kolonieform und Polypenausbildung war aber bei allen Kolonien gleich. Auffallend ist, dass diese Weichkoralle in meinen Becken unter den unterschiedlichsten Bedingungen wie Besatz und Nährstoffwerten gedieh. Offenbar kann also diese Art mit den verschiedenen Beleuchtungsstärken und Strömungsverhältnissen sehr gut klarkommen. Im Ausmaß erreichten die größten Polypenkolonien einen nur wenige Quadratzentimeter große Fläche. Besonders von oben betrachtend bietet die blau leuchtende Kolonien in dem großen Riffbecken einen prächtigen Anblick und vermitteln so den Eindruck einer herrlich „großen“ Weichkoralle. Die Einzelpolypen wachsen nur wenige Millimeter hoch, wobei etwa 3-4 mm auf den Polypenkopf entfallen. Sie entspringen einer bläulich-weiß gefärbten etwa 5-10 mm dicken gemeinsamen Leibesmasse, dem sogenannten Coenenchym. Die einzelnen Polypen wachsen so dicht zusammen, dass sich ihre buschigen achttentakeligen Polypen gegenseitig berühren. Sie können vollkommen in das Coenenchym zurückgezogen werden.

Das Betrachten unter stärkerer Vergrößerung mittels einer starken Lupe oder durch vergrößern eines zuvor gemachten Bildes mittels einer guten Digitalkamera bringen erst die sehr schöne Färbung und Einzelheiten der einzelnen Polypen zutage.

Nahaufnahme Polypen. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Wie die Färbung und das Lichtbedürfnis der Kolonien schon vermuten läßt, finden sich in den Tentakeln und Polypengewebe eine hohe Anzahl symbiotischer Algen. Fütterungsversuche veranlassten mich in diesem Zusammenhang zu der Vermutung, dass wir es hier mit einer Weichkoralle zu tun haben, die sich rein autotroph, also allein von dem Stoffwechsel ihrer Symbionten zu ernähren vermag. Für die autrophe Ernährung der Weichkoralle spricht vor allem ihr Verhalten bei einer Fütterung mit feinstem Planktonfutter. Niemals konnte ich bei ihr eine Nahrungsaufnahme feststellen. Selbst auf das verfüttern kleinsten Ersatzplanktons reagierten die Polypen nicht. Es wird sicherlich so sein, das diese Weichkoralle ebenso wie die erwähnten ähnlich aussehende blaue Xenia Sarcothelia edmondsoni aus dem Wasser einige gelöste Stoffe, etwa Nitrate, Aminosäuren über die Körperoberfläche aufnimmt. Sie dürfte aber in der Hauptsache von den verwertbaren Stoffwechselprodukten ihrer symbiotischen Partner leben, den Zooxanthellen. Um diese Nahrungsquelle zu sichern, muss die Beleuchtung ausreichend stark sein, damit die symbiotischen Algen ihren Wirt die Koralle über die Photosynthese ernähren kann ( leicht blaulastig).

Sinnvoll wäre/ist sicherlich eine gelegentliche Zugabe von Aminosäuren und Flüssigfuttermittel diverser Hersteller/Anbieter damit die Korallen bestimmte Stoffe über die Köperoberfläche aufnehmen sollen/können. Für mich als Anwender dieser käuflich zu erwerbenden Produkte stellt sich aber immer wieder die gleiche Frage: " was ist drin- und woran erkenne ich eigentlich ein gutes Produkt?" Sind die teuren Produkte besser als die preisgünstigeren? Auch wenn ich schon die unterschiedlichsten Produkte diesbezüglich ausprobiert habe, einen signifikanten Unterschied im Erscheinungsbild meiner Korallen konnte ich nie feststellen. So bin ich mittlerweile der festen Überzeugung, das nichts besser für unser Riffbecken ist, als ein regelmäßiger Wasserwechsel mit Meersalzen der namhaften Marken. Diskutiert man mit anderen Meerwasseraquarianern über Korallenfütterung, wird man schnell feststellen, das einige Aquarianer ihre LPS- Korallen füttern, andere dagegen nicht, dass aber in beiden Fällen die gepflegten Korallen- gute Licht und Wasserverhältnisse vorausgesetzt- gleich gut wachsen. Wie auch immer, entscheidet man sich für eine Zusatzfütterung, sollte am besten gelegentlich und nicht tägliches gezieltes Füttern eines feinen, partikuläres Korallenfutter möglichst nach Abschalten der Hauptbeleuchtung gereicht werden. Auch wenn unsere Korallen nur 1 % dieses Futters verwerten, so kommt es dennoch der Microfauna des Beckens zugute von der ja auch wiederum unsere Korallen profitieren.

450 Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Allein durch einen regelmäßigen Wasserwechsel von 10 - 20 Litern pro Woche für das 160 Liter bzw. 300 Liter und 450 Liter-Becken in welchem diese Weichkoralle auch mit diversen Steinkorallen gepflegt wird, führe ich dem Aquariensystem schon regelmäßig Calzium- Ionen zu. Da dies für dieses Becken mit seinen kalkzehrenden Bewohnern bei weitem nicht ausreicht, muss ich noch auf eine andere Methode zurückgreifen, um diese Calzium Versorgung regelmäßig zuzuführen. Ich benutze dazu die mittlerweile sehr bekannte Balling- Methode. Dabei wird in einem bestimmten Verhältnis Calziumchlorid und Natriumhydrogencarbonat getrennt zugegeben. Bei dieser Reaktion entsteht Calziumhydrogencarbonat und als Nebenprodukt Kochsalz. Damit sich das Kochsalz nicht im Meerwasser anreichert und dessen Ionengleichgewicht verschiebt, wird dem Aquarienwasser regelmäßig eine genau definierte Menge an Mineralsalz zugegeben. Diese Methode wende ich schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich in allen meinen drei Meerwasserbecken an und bin so auch nicht auf die Installierung weiteren Gerätes ( Kalkreaktor etc) angewiesen. Um aber Fehler zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren muss bei der Balling- Methode jedoch sehr gewissenhaft gearbeitet werden. Die zu diesem System passenden Spurenelemente gebe ich über Lösungen mit dieser Balling- Methode zu, die ich über die Fa.Aquafair beziehe. Vor einigen Monaten habe ich damit begonnen täglich- falls ich es nicht vergesse- kurz vor dem erlöschen der Hauptbeleuchtung Aminosäuren zuzugeben. Zur Zeit verwende ich die Aminosäuren der Fa Dupla welche mir von H. Gerhardus dem Besitzer der Zoohandlung "Fishandmore" empfohlen wurden. Ich glaube bzw. bilde mir ein, mittlerweile eine stärkere Farbausbildung der gelben Sarcophyton elegans aber sicher der blauen Farbtöne bei den Scheibenanemonen festgestellt zu haben. Möglicherweise liegt es aber auch daran, daß ich den Kaliumgehalt anstatt früher von 330/340 mg/l auf jetzt ca. 380/390 mg/l angehoben habe. Meine Wasserwerte werden regelmäßig mit Test der Fa. Salifert überprüft von denen ich glaube, das sie ausreichend genau für meine Ansprüche an Genauigkeit sind. Diese Tests werden aber regelmäßig mit sogenannten Referenzlösungen z.B. von Gilbers, Aquafair überprüft. An dieser Stelle möchte ich aber auch erwähnen, das z.B. der PO4 Wert- gemessen mit Salifert- fast immer mit dem Faktor 3-4 multipliziert werden muss, wenn er mit dem Photometer der Fa. Hanna gegen gemessen worden ist. z.B. Salifert gemessen 0,01mg/l, gegen gemessen mit Hannameter 0,04 mg/l. Ich denke, die ermittelten Werte mit dem Hanna- Photometer sind doch realistischer.

300Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Der Phosphatgehalt sollte möglichst 0,12 Milligramm pro Liter nicht überschreiten. Um ihn so niedrig zu halten, kommt man oft nicht umhin, einen Phosphat- Adsorber einzusetzen ( ich verwende z.Zt. noch den Gilbers Diakat B 2-4 mm auf Eisenhydroxid-Basis). Mit ihm Hand in Hand arbeiten leistungsfähige Abschäumer, die gelöste, kolloidale und feinpartikuläre organische Abfallstoffe aus dem Wasser entfernen, bevor sie durch mikrobiellen Abbau Phosphat freisetzen. Mit derlei Wasseraufbereitungsmethoden lässt sich aber nur dann ein sehr nährstoffarmes Milieu aufrechter- halten, wenn man es mit dem Fischbesatz nicht übertreibt. Eine langfristig erfolgreiche Haltung dieser an sich unempfindlichen, zarten Blumentiere gelingt in Aquarien mit hohem Fischbestand erfahrungsgemäß kaum. Eine Alcyonium versveldti Kolonie z.B. lebt zusammen mit zwölf Kleinfischen in dem 160-Liter-Becken. Bei den Fischen handelt es sich um je zwei Riffbarsche Chrysiptera hemicyanea, Elacatinus macrodon, Elacatinus multifasciatum, Feuerschwertgrundeln Nemateleotris magnifica sowie Zwerggrundeln der Art Trimma cana, Priolepis nocturna eine Koumansetta hectori Grundel die für die "Bodenbearbeitung" sowie zur Vernichtung von Mikroalgenbelägen auf der Dekoration gebraucht wird.

160 Liter Becken. Foto Paul-Gerhard Rohleder

Die Alcyonium Verseveldti Weichkoralle dürfte oder ist höchstwahrscheinlich ein ausdauerender Pfleglinge, wenn sie sich an die Aquarienbedingungen angepasst haben. Außerdem zeichnet sich diese blaue Weichkoralle durch prächtige Färbungen aus. Zum guten Gedeihen benötigen sie aber klares und sauberes nährstoffarmes Wasser sowie einen leicht umströmten und nicht zu hell beleuchteten Standort. Ihr Standort sollte so gewählt werden, das sie im laufe der Zeit nicht von anderen sessilen Wirbellosen strömungs- und beleuchtungsmäßig abgeschattet werden.

Grundsätzlich gelten für die Pflege dieser Weichkorallen die gleichen Hälterungsbedingungen wie für andere Weichkorallen. Jedoch scheinen sie eine "grelle" Beleuchtung, hohe Nährstoffwerte und starke Wasserbewegung nicht zu mögen. Und unter ihr zusagenden Bedingungen sollten ihre Kolonien in der Regel auch durch Vergrößerung der Leibesmasse und anschließendem abschnüren/teilen von Teilen des Coenenchym wachsen. Bei den Sarcothelia edmondsoni Weichkorallen, mit denen Alcyonium verseveldti sehr leicht verwechselt werden kann, ist schon häufiger die geschlechtliche Vermehrung in Riffaquarien beobachtet worden.

Kolonie Sarcothelia edmondsoni. Foto: Paul-Gerhard Rohleder

Hierzu stoßen die Xenien einige Bündel rosafarbener Larven aus, die sich offenbar sehr schnell, ohne ein freischwimmendes Planula- Stadium zu durchlaufen, an den vorhandenen Steinaufbauten festsetzen.

Meine anfängliche Vermutung, dass sich diese als „ Sympodium“ erworbene in Riffaquarien nur schwer oder gar nicht halten lässt, hat sich nicht bestätigt. Genau das Gegenteil ist der Fall. Ein so starkes Wachstum, wie man es von einigen anderen Mitgliedern der Weichkorallen her kennt, zeigt diese blaue Weichkoralle nicht. Für mein Verständnis von Wachstum muss ich sagen, sie wächst in meinem Aquarium extrem langsam. Sie wäre somit ein idealer Pflegling für kleinere Aquarien und „ Farbe“ hat sie außerdem. In Aquarien gezogene Nachzuchten dürften sicherlich im Gegensatz zu mach anderer Weichkoralle ihre Abnehmer finden.

Durch meine Versuche in drei unterschiedlichen Riffbecken, den geeigneten Standort zu finden, konnte ich feststellen, dass sich die Alcyonium verseveldti Weichkoralle gut mit allen anderen Korallen vergesellschaften lässt. Die Anwesenheit von Röhren-, Weich-, und Steinkorallen ja selbst Scheibenanemonen und Zoanthus Krustenanemonen scheinen ihnen nichts auszumachen. Zusammenfassend möchte ich feststellen: auch diese blaue Weichkoralle läßt sich unter den heutigen Bedingungen der Riffaquaristik sehr gut pflegen. Der Pflegeaufwand ist nicht größer als bei den anderen Korallenarten auch und besonders gut wegen ihrer geringen Körpermasse für „ Kleinaquarien“ geeignet.

Text und Fotos:

Paul-Gerhard Rohleder

Juni 2018



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robertbaur

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