Autor: Stefan Immke Erfinder, Entwickler und Hersteller der GRAVITY-Serie (b.SPX) September 2026 Gegenstand: GRAVITY-LED-Serie, Hersteller b.SPX (b.OCEAN-Linie)
1. Licht ist kein Zubehör
Das ist der Grund, warum sich die Aquaristik nicht mit reinem PAR (Photosynthetically Active Radiation, 400–700 nm, gemessen in µmol Photonen · m⁻² · s⁻¹) zufriedengibt, sondern mit PUR (Photosynthetically Usable Radiation) rechnet: PUR gewichtet das PAR-Spektrum nach genau dieser Absorptionskurve der Zooxanthellen. Eine LED kann also einen beeindruckenden PAR-Wert produzieren und trotzdem einen Großteil davon in einem für die Koralle photobiologisch nutzlosen Grünanteil verheizen. Blaues Licht zwischen 400 und 500 nm ist in dieser Rechnung überproportional wertvoll, weil dort sowohl Chlorophyll a als auch Peridinin gleichzeitig arbeiten.
Die zweite Ebene, die selten diskutiert wird: Korallen sind nicht passiv. Tiefer liegendes Gewebe empfängt deutlich weniger Licht als die Oberfläche – Messungen an Korallengewebe zeigen, dass in rund 1000 µm Tiefe im Polypen nur noch etwa 10 % der einfallenden Strahlung ankommen . Manche Korallenarten kompensieren das mit photokonvertierenden Fluoreszenzproteinen, die blaues Licht aufnehmen und in orange-rotes Licht umwandeln, das tiefer ins Gewebe trägt . Die Koralle betreibt also, nüchtern betrachtet, eine hauseigene Wellenlängen-Umwandlungsanlage – ein Detail, das erklärt warum ein sauberes Blauspektrum im Becken wichtiger ist als ein beliebiges Vollspektrum-Weiß mit hohem Lumenwert, oder ein anderes wild zusammengewürfeltes Spektrum.
Für die GRAVITY-Serie von b.SPX (b.OCEAN-Linie, Deutschland) ist genau das der Ausgangspunkt der Auslegung: nicht "möglichst viel Licht", sondern ein gezielt in Richtung des photobiologisch nutzbaren Fensters verschobenes Spektrum, gemessen mit einem EVERFINE PMS-2000 Spektroradiometer und dokumentiert über alle Baugrößen hinweg .
Ein Aspekt davon wird in der Aquaristik gern übersehen, weil er sich nicht in einer einzelnen µmol-Zahl ausdrücken lässt: Es reicht nicht, dass die richtigen Wellenlängen irgendwo aus der Leuchte kommen. Sie müssen auch schon gemischt ankommen, bevor sie auf die Koralle treffen – sonst bekommt der eine Ast einer Kolonie mehr Blau und der andere mehr Weiß, einfach weil er näher an der einen oder anderen Einzel-LED sitzt. Wie GRAVITY dieses Problem konstruktiv löst, während zwei verbreitete marktübliche Bauweisen genau daran scheitern, ist Gegenstand des Abschnitts „Vorgemischtes Licht“ weiter hinten in diesem Bericht.
2. Die Optik: warum zwei Abstrahlwinkel mehr können als einer
GRAVITY-Module bestehen aus einzelnen LED-Clustern, und jeder Cluster kombiniert zwei unterschiedliche Optiktypen zu gleichen Anteilen: 120°-Mid-Power-LEDs für breite, homogene
Flächenausleuchtung und 60°-High-Power-LEDs mit Primäroptik (Silikonlinsen) für gezielten Tiefenschub . Offizielle PAR-Simulation der GRAVITY 43 (12 Cluster, 180 W). Die sich kreuzenden Linien zeigen, wie sich die festen 120°/60°-Doppeloptiken benachbarter Cluster überlappen; die Farbskala zeigt PAR in µmol · m⁻² · s⁻¹ bei 20 cm Montagehöhe. Quelle: b-spx.com.
Die Logik dahinter ist geometrisch simpel und deshalb schwer zu widerlegen: Ein einzelner breiter Abstrahlwinkel erzeugt eine gleichmäßige Fläche, verliert aber schnell Intensität mit der Tiefe. Ein einzelner enger Abstrahlwinkel hält die Intensität in der Tiefe, erzeugt aber einen harten Hotspot direkt unter der Leuchte – mit allen bekannten Folgen für lichtempfindliches Gewebe an der Oberseite von SPS-Kolonien. Die Kombination beider Optiken im selben Cluster lässt die Kegel sich überlappen: Der 120°-Anteil füllt die Fläche, der 60°-Anteil sorgt dafür, dass in 40 bis 80 cm Tiefe noch nutzbares PUR-Licht ankommt, ohne dass die Oberfläche in einen einzigen gleißenden Kern zerfällt. Genau dieses Überlappungsmuster zeigt die PAR-Simulation für das größte Modul der Serie:
Der zweite Baustein der Optik ist mechanisch, nicht photometrisch: Jedes GRAVITY-Modul hängt an einem einzelnen Kugelkopf-Gelenk mit ±20° Neigung und 360° Rotation . Das ist der Unterschied zwischen einer Leuchte, die pauschal von oben bestrahlt, und einem System, bei dem jedes Modul einzeln auf einen Bereich des Riffaufbaus ausgerichtet werden kann. Die eigentliche Individualisierung entsteht dabei nicht innerhalb eines einzelnen Panels, sondern zwischen mehreren Modulen: Wer zwei oder mehr GRAVITY-Einheiten über einem Becken je nach Größe kombiniert, kann jede Einheit einzeln neigen und positionieren – eine Flexibilität, die eine einzelne große, starre Leuchte grundsätzlich nicht bieten kann. In der Praxis heißt das: Seitliche Randbereiche eines Beckens, die unter einer starren Flächenleuchte im Schatten der eigenen Rückwand liegen, lassen sich mit einem zusätzlichen, seitlich geneigten Modul gezielt anleuchten. Die Sonne beleuchtet ein natürliches Riff schließlich nicht nur senkrecht von oben, sondern über den Tagesverlauf auch seitlich – ein Effekt, der Selbstbeschattung an dicht bewachsenen Aufbauten reduziert, wenn man ihn technisch nachbildet, statt ihn zu ignorieren. Wie diese Kombination mehrerer Module ("Light Scaping") gegen eine einzelne Großleuchte abschneidet und welche Anordnung sich in der Praxis bewährt, folgt weiter unten im Detail.

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